
Um auf meiner Weiterreise auch etwas von der schönen Landschaft mitzubekommen, entscheide ich mich, auf normalen Landstrassen zu meinem nächsten Ziel zu fahren. Diese bescheren mir unterwegs gefühlte 100 Kreisel. Die Fahrt vorbei an idyllischen Étangs und Kanälen entpuppt sich als Augenweide.
Bei einem Blick in den Rückspiegel stelle ich fest, dass sich die hinteren Befestigungen vom Motorrad und auch das Mountainbike vom vielen Kreisel fahren auf dem Anhänger irgendwie gelockert haben. Das Bike hat an der Halterung geschabt und es ist wieder ein bisschen Farbe weg am Velo. Das regt mich zwar auf, aber ich kann es ja eh nicht ändern 🥲.
Nach dem Einchecken in meinem neuen Campingplatz richte ich mich ein. Es ist sehr warm und hat nicht viel Schatten hier. Aber ich habe ja mein Beistellzelt dafür und wenigstens ist das Sanitärhäuschen für eine kalte Dusche zwischendurch ganz in der Nähe.
Nachdem ich fertig eingerichtet bin, belohne ich mich mit einem Oliven Apéro. Danach unternehme ich einen ersten Spaziergang ins Dorf und auf den Turm mit einer tollen Aussicht auf die Umgebung. D.h., Étang, Kanäle und das weite Meer.

Nach einem Diabolo Menthe im Dorf chille ich etwas in meiner Hängematte. Als mich die erste Mücke sticht, verdrücke ich mich wieder.
Am Abend gibt es einen Tomaten-Mozzarella Salat, zum Kochen habe ich keine Lust.
Am nächsten Morgen besorge ich mir mit dem Bike im Dorf ein Baguette.
Heute ist es sehr windig und unklar, ob es vielleicht noch ein bisschen Regen gibt. Ich unternehme trotzdem eine kleine Erkundungsfahrt mit dem Bike ins Dorf und entdecke dabei den neuen Hafen, etwa wieder derjenige in Fréjus, den ich bereits kennen gelernt habe. Richtig cool mit vielen Shops und Restaurants. Ich entdecke dort auch einen kleinen praktischen Einkaufsladen von Carrefour und besorge mir einen Rosé für meinen nächsten Oliven Apéro.

Wieder zurück im Camping entscheide ich mich, noch mal ein bisschen rumzufahren, um Fotos zu machen. Ich stelle fest, dass es hier viele beschriftete Mountainbike Touren zu geben scheint, ich muss heute Abend unbedingt studieren, welche für mich interessant sein könnten. Auf dem Rückweg fahre ich auf einem kleinen, idyllischen Damm, links und rechts von mir das Wasser des Étang de Gruissan und fahre dann im Dorf noch weiter bis zum Musée de Sel.

Mein heutiger Abend wird mit einem Beefsteak mit Auberginen Antipasti aus meiner Zeltküche gekrönt.
Heute habe ich mich für eine Wanderung an der Küste entschieden. Ich fahre mit dem Motorrad bis nach Peyriac und amüsiere mich beim Ortseingang, weil das Ortsschild auf dem Kopf montiert ist 😜.
Der Weg verläuft auf einem Holzsteg im Meerwasser und dann gelange ich zu einem kleinen Wäldchen mit Pinien, wo ich eine wunderschöne Aussicht auf den Étang geniesse. Die Cigales geben ein lautes Konzert. Aber es ist einfach herrlich hier und duftet wunderbar. Franchement dit, je pourrais-y-rester toute la journée 🤩.

Hier mache ich auch meine Mittagsrast und geniesse die Ruhe und mein Baguette mit Kiri und Gurke, auch heute noch das obligate Rezept auf vielen meiner Wanderungen.

Der Pfad durch die Pinien ist ein Traum. Es ist sehr trocken hier, aber den Pinien scheint das nichts auszumachen.

Weiter nehme ich den Weg auf der Krete, wo man beide Étangs sieht, den Étang du Doul und den Étang de Bages. Vor dem Weinberg gehe ich rechts an den Strand und am Étang entlang zurück und wieder über den Holzsteg bis zum Motorrad. Als Belohnung für die Wanderung gibt es einen Diabolo Menthe.
Auf dem Heimweg kaufe ich noch ein zweites Baguette für den Apéro und das Nachtessen.
Heute fahre ich mit dem Bike am Canal de la Robine nach Port-la-Nouvelle. Die Strecke ist wunderschön und immer wieder von hübschen, vom Wetter geprüften, schiefen Pinien gesäumt. Man möchte endlos weiter fahren auf dieser Piste.

Unterwegs treffe ich ein junges Paar mit zwei grünen Elektrovelos von Paulette, von der mein Liebchen und ich vor Jahren selbst einmal ein Fahrrad gemietet haben 😜.
Schliesslich gelange ich zum Strand von Port-la-Nouvelle, wo neuerdings ein riesiges Windrad steht und sie scheinen noch drei weitere installieren zu wollen, denn die Motoren und Rotorblätter liegen bereits da.


Am Kanal fahre ich danach wieder zurück nach Gruissan und kgleich weiter bis nach Narbonne. Die Strecke am Kanal empfinde ich schöner als die ersten 50 km vom Kanal du Midi, die ich bereits vor zwei Wochen befahren habe. Ich bin begeistert von den vielen schönen Bäumen und mache unterwegs ein Menge Fotos.
Am nächsten Morgen sehe ich aus dem Dachzelt die rote Sonne aufsteigen. Was für eine Pracht, so geweckt zu werden.
Auf dem Heimweg entdecke ich eine neue Velostrecke zurück nach Gruissan.
Es wird jeden Tag heisser hier und nachdem ich meine Wäsche erledigt habe, fahre ich mit dem Bike an den Strand zum Baden, da es für alles andere eh zu heiss ist. Nach dem Baden gibt’s noch ein Gläschen Rosé auf der Terrasse der Beach Bar Le Cers .

Am Abend esse ich nur einen grossen Salat. Mehr braucht es bei dieser Hitze nicht mehr.
Heute bin ich früh aufgestanden und es gibt nur ein Müsli am Morgen. Ich fahre los mit dem Bike auf meine grosse Tour bis zum Canal du Midi, das Ziel ist, beim Restaurant Le Somail Mittagspause zu machen. Mehrere Male muss ich auf die andere Kanalseite und schlussendlich sogar vom Seitenkanal zum Hauptkanal wechseln.

Ich schaffe es und bin um 11:45 Uhr dort. Le Somail ist ein sehr hübsches Lokal direkt am Kanal. Für mich gibt es einen sehr leckeren César Salat, ein Schweppes Agrume und ein Affogato zum Dessert.

Ich fahre dann noch etwa 5 km weiter, kehre aber wieder um, weil keine der bekannten Platanenalleen mehr kommen. Auch den Rückweg finde ich wieder sehr gut. Es hat alles tipptopp geklappt und ich fühle mich gesegnet, mich nicht verfahren zu haben. Mit einer ordentlichen Müdigkeit im Körper treffe ich nach etwa 100 km mit dem Bike wieder im Camping ein.
Zum Nachtessen gibt es Oliven Apéro und nachher nur noch Salat. Habe keinen grossen Hunger.
Nach einem Ruhetag im Camping fahre ich heute mit dem Motorrad zum Marché ins berühmte, mittelalterliche Carcassonne.

Ich stelle fest, dass die Araber hier den Markt zum grossen Teil in der Hand zu haben scheinen. Kopftücher, wohin man schaut. Man kommt sich hier vor wie in Marrakesch. Natürlich ist die Ware spottbillig, zum Beispiel die schönsten Damenunterwäsche Sets fünf Euro. unglaublich, was hier alles angeboten wird. Wenn man Leute aus aller Welt kennen lernen will, dann hier. Vor allem Spanisch hört man sehr häufig. Das in der Schweiz bekannte Brettspiel Carcassonne ist hier übrigens völlig unbekannt.

Ich bin jetzt in der mittelalterlichen Cité und werde hier Mittag essen und mich nachher umschauen. Es ist heute 38° und ich bewege mich nur noch von Schatten zu Schatten. In der Taverne du Château gibt es einen hervorragenden Sangria, viel besser als in Barcelona. Danach einen,Salade chèvre chaud, ein traditionelles Cassoulet und zum Dessert eine Crema Catalana 😜 , welche hier nicht Crème brûlée heisst, da ich hier in der Nähe der spanischen Grenze bin. Alles ist sehr lecker und ich bin voll zufrieden.

Jetzt sitze ich im traumhaften Garten vom Hotel de la Cité bei einem Schwepps Tonic. Es ist hier unglaublich friedlich in diesem parkähnlichen Garten, schattig unter einer Platane und wunderbar ruhig. Einfach ein Traum, hier etwas zu trinken und ein bisschen zu sitzen.

Aus diesem Park kann man auch tolle Fotos von der mittelalterlichen Burg mit den imposanten Mauern und Türmen schiessen.

Nach einer ausgiebigen Besichtigung der Burganlagen bin ich rechtzeitig zurück in Gruissan und gehe noch an das hiesige Fête de la musique, wo die Tontons coole Musik spielen.

Am nächsten Morgen ist es bereits um 10:00 Uhr schon wieder 28° und ich sitze noch im Schatten im Zelt. Ich habe gemütlich meine Stille Zeit mit der Bibel, für die ich mir auf meiner Auszeit regelmässig Zeit frei gemacht habe und überlege mir jetzt, ob ich am Nachmittag etwas Kleines unternehmen soll.
Ich entscheide mich für eine Bike Tour. Ich fahre einfach mal einem Schild mit Nummer 5 nach und lande in der Region CLAPE, dem Weinbaugebiet von Gruissan. Es stellt sich als ganz coole Tour mit super Pfaden im Wald heraus. Richtig toll, sowas würde ich selber nie finden.
Ich fahre mit dem Motorrad bis zum Leuchtturm beim Cap Leucate und mache eine Klippenwanderung, von der aus ich eine herrliche Aussicht aufs Meer habe.

Auf der Strecke gibt es einen Strand, wo ich zum Strand absteige und schwimmen gehe.

Wieder zurück in Gruissan gehe ich nach einem Eier Omelette mit Zucchini ans Dorffest, wo jemand okzitanische Gruppentänze vorzeigt. Jung und alt machen eifrig mit.

Im Anschluss gibt es noch ein imposantes Feuerspektakel von drei Profis aus Toulouse, die eine eindrückliche Show hinlegen, die ich auch fotografisch festhalten muss.

Am Nachmittag des folgenden Tages gehe ich auf eine kleine Bike Tour von 10 km auf dem Saint-Martin Hügel.
Die ist mir aber zu kurz und ich hänge spontan noch eine 32 km Tour an (beschildert Nr. 6), die mich zuerst wieder zum Saint-Martin Hügel und dann wieder in die CLAPE Weinbauregion führt. Noch mal eine super Tour mit tollen Pfaden, diesmal etwas anspruchsvoller, da es eine schwarze Piste ist.

Am Abend gibt’s wieder einen grossen Salat.
Heute bin ich nach einem gemütlichen Frühstück am Strand, wo die Temperatur noch angenehm ist, weil ein erfrischender Wind weht.
Ich tummle mich länger im Wasser, aber schwimmen kann man nicht, weil es so grosse Wellen hat.
Am Mittag geniesse ich im originellen Strandrestaurant Paparazzo einen Burger, dazu einen Sangria und den obligaten französischen Rosé aus der Region.


Ich lese etwas am Strand und genehmige mir später im Le Cers noch einen Café Liégois (mein Lieblings Glacé).

Auf dem Rückweg mit dem Bike zum Camping habe ich plötzlich einen Rennradfahrer hinter mir im Windschatten. Im Dorf Gruissan ist er plötzlich neben mir und fragt, ob ich Richtung Narbonne fahre. Es laufe so gut hinter mir im Windschatten 😜. Dabei bin ich gerade mit meinem E-Bike ohne Motor Unterstützung unterwegs 😂, was er glaube ich nicht bemerkt hat. Hihi.
Am Abend esse ich mein heutiges Baguette mit selbst gemachter Guacamole fertig und dazu ein feines Taboulé.
Heute ist eine längere CLAPE Wanderung auf dem Programm. Es klappt alles wunderbar und es gibt auf dem schönen Weg viele herrliche Aussichtspunkte auf der Strecke. Auf einem Felsen mit herrlicher Aussicht geniesse ich mein Mittagessen. Was für ein Abschluss für meine Auszeit, die am 1. Februar mit kalten Wintertemperaturen begonnen hat und heute mit 32° aufhört. Ich esse mein Baguette mit Kiri und Gurke, d.h. ein einfaches Picknick, dafür habe ich das Zirpen der Cigales in den Pinien und eine unschlagbare Aussicht. Was will man mehr?

Heute packe ich gemütlich bei heissen 36°, was nicht gerade ein Schleck ist, dafür gibt es danach einen Schleck Softeis im Dorf.
Als Einsteig in meinen letzten Abend in Gruissan gibt es in einer Bar ein regionales Pression Bier. Danach wechsle ich zum Restaurant Le Plan B, wo ich ein vorzügliches Menü mit Tzatziki und einem Entrecôte mit Chimichurri Sauce 🤩 serviert bekomme.


Im Restaurant sind anfangs noch nicht so viele Leute, aber nach kurzer Zeit werden andauernd neue Tische und Stühle hinzugestellt. Schlussendlich sind 75 % der ganzen Strasse belegt mit besetzten Tischen 🤩, d.h. ich habe intuitiv am richtigen Ort gegessen 😜. Meinen letzten Rosé zum Essen geniesse ich in vollen Zügen 😀. Nur gerade zwei nette Damen bedienen eine riesige Menge Tische und das mit Bravour 😍.

Seit etwa drei Tagen habe ich unsägliche Kreuzschmerzen und kann mich kaum mehr bewegen. Das Packen ist eine Riesen Tortur, wie auch die lange Wanderung gestern. Die Schmerzmittel, die ich nehme, nützen leider nicht viel, aber ich versuche es heute Nacht noch einmal. Ich vermute schwer, dass ich einen Bandscheibenvorfall habe, weil ich mich wirklich kaum mehr bewegen oder von einem Stuhl aufstehen kann, und bücken geht auch nicht.
Was ich noch nicht weiss, dieser unglückliche Bandscheibenvorfall wird mich zu Hause mit unzähligen Abklärungen und einer Schmerztherapie noch Monate lang beschäftigen. Der Bericht von meiner Auszeit seit dem 1. Februar soll aber hier nicht negativ enden. Es war für mich eine tolle Erfahrung mit viel Abenteuer und Freiheit, einfach tun und lassen zu können, was mir gefällt. Wandern und Mountainbiken haben mich nebst unzähligen kulinarischen Erlebnissen im Süden Frankreichs überwältigend beschenkt. Und noch ein netter Nebeneffekt, trotz dem feinen Essen mit süffigem Rosé habe ich dank der mediterranen Ernährung und viel Bewegung 10 kg Gewicht verloren 😀.
Ich durfte Feste besuchen, die es nur im Frühjahr zu erleben gibt. Das südliche Flair und viele, wunderschöne Landschaften werden mich noch lange in meinen Gedanken beschäftigen. Wieder zu Hause, werde ich mir meine vielen Fotos und Videos bestimmt regelmässig wieder zu Gemüte führen.

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