Intermezzo an der Côte d‘Azur

Salade chèvre chaud

In meiner Auszeit an der Côte d’Azur kommt nun ein kleines Intermezzo. Mein Liebchen und unsere Tochter mit zwei Kids machen eine Woche Urlaub in Fréjus und ich werde sie vier Tage besuchen.

Um sie zu besuchen, finde ich ein günstiges Mobilhome für vier Tage in einem nahe gelegenen Camping. Dort treffe ich auf chaotische Zustände. Eine Rezeption mit für mich unpassenden Öffnungszeiten und eine lange Schlange von Touristen, die sich anmelden wollen, erwarten mich. Als ich endlich drankomme, heisst es,  ich solle meine Anmeldung noch per Internet abschliessen. Die Webseite des Anbieters funktioniert jedoch nicht und ich werde es die folgenden vier Tage nicht schaffen, mich überhaupt korrekt anzumelden. Was mir natürlich völlig egal ist, weil ich werde nur in dem Mobilhome schlafen und die restliche Zeit mit meiner Familie verbringen. Dies ist für mich eine spezielle Zeit. Nach zehn Wochen Einsamkeit geniesse ich es, mit Frau, Tochter und Enkelkindern zusammen etwas zu unternehmen. Leider regnet es einen grossen Teil dieser vier Tage, c’est la vie. Nach vier Tagen gebe ich meinen Schlüssel ohne das abgeschlossene Checkin wieder ab.

Die nächste geplante Station auf meiner Reise wäre Cassis in den Calanques gewesen. Aus meiner Formulierung kann man heraushören, dass es anders kommen soll, als ich vorhatte.

Ich fahre bei schwarzem Himmel, Richtung Westen und beziehe dort auf dem vorgesehenen Camping meinen Platz, der viel zu klein ist, um mein Wohnzelt neben dem Auto aufzustellen. Kaum bin ich angekommen und habe mein Dachzelt geöffnet, beginnt es auch schon zu regnen und auch hier prophezeien die Meteorologen wieder starke Winde und Regen. Ich habe ein Déjà-vu und denke mir, nicht schon wieder!!

Ich laufe mit meinem Schirm ins Dorf  Cassis, flüchte ins nächste Café und lese dort den ganzen Nachmittag. Wieder zurück im Camping stelle ich mit Erschrecken fest, das hier nur 6 A Schwachstrom verfügbar ist. Ich kratze mich am Kopf, ich will nicht nur mein Handy laden, sondern ich will hier kochen und mein Zelt heizen, da es immer noch kühl ist. Fieberhaft überlege ich, was ich tun soll. Zu dieser Jahreszeit hat es wenig alternative Möglichkeiten auf Campingplätzen, die schon geöffnet sind. Ich spüre Enttäuschung in mir aufsteigen, denn hier hatte ich vor, viele schöne Wanderungen zu machen. Nur die ganze Zeit bei schlechtem Wetter im Café zu lesen, ist in diesem Moment keine Option für mich, denn lesen kann ich auch zu Hause.

Noch einigem Grübeln entscheide ich mich schweren Herzens, meine Auszeit für zwei Wochen zu unterbrechen und nach Hause zu fahren. Ich sehe mich emotional an einem Tiefpunkt und bin nicht im Stande, eine gescheitere Lösung zu finden. Also versuche ich, es meinem Liebchen schonend beizubringen und kündige mich für den nächsten Tag bei ihr an.

Mit Sack und Pack fahre ich am Tag darauf zurück in die Schweiz, wo ich oh Wunder von schönem Wetter erwartet werde. Dies erleichtert mir den Verlust meiner verpassten Calanques Erfahrungen ein wenig. Ich schlucke die bittere Pille und nehme mir vor, den Aufenthalt dort zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen.

Bootsfahrt in der Heimat

Nach zweieinhalb Wochen Schweiz fahre ich wieder zurück in den Süden an mein nächstes vorgesehenes Domizil bei Apt in der Provence.

Was ich dort so erlebt habe, werde ich verraten, sobald ich Zeit finde, mich in Worten auszudrücken. In der Zwischenzeit bin ich nämlich an einem wärmeren Ort in Südfrankreich, an dem ich mich vor lauter Sonne, Strand und Apéro echt zusammenreissen muss, um meine Erlebnisse schriftlich festzuhalten. Wer hätte das gedacht, noch vor ein paar Wochen war ich froh, die Schlechtwetterphasen zum Schreiben nutzen zu können 🙄.

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Eine Antwort zu „Intermezzo an der Côte d‘Azur”.

  1. Deine humorvolle Ehrlichkeit tut gut!

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