
Viel zu früh am Morgen komme ich in Maussane-les-Alpilles an. Da die Reception des Campings noch nicht offen ist, laufe ich ins Dorfzentrum, kaufe mir ein Baguette und ein Pain au chocolat. Im Café de la Fontaine lasse ich mich mit einem Café au lalt und einem feinen Croissant verwöhnen. Das Café scheint der Treffpunkt vom halben Dorf zu sein und es ist sehr amüsant, die Leute zu beobachten.
Danach gehe ich im Camping einchecken. Ich bekomme einen super Platz und es scheint, als wäre der angekündigte Wind gar nicht so stark. Also beginne ich sofort, mein Aufenthaltszelt aufzustellen, was sich aber dann infolge doch auftretender Windböen etwas schwierig gestaltet. Schlussendlich schaffe ich es aber, doch im Zelt wohnen werde ich wohl vor Montagabend nicht können. Schliesslich haben die lieben Meteorologen bis am Montagabend noch Windböen mit über 80 km/h angekündigt. Der Mistral ist saukalt und es ist unerträglich im Wind. Da die Sonne trotz Mistral scheint, lese ich schliesslich im Windschatten meiner angrenzenden Hecke. Weil ich meine Küche im Zelt noch nicht benutzen kann, beglücke ich wieder das Café de la Fontaine mit meinem Besuch.
Am nächsten Morgen ist der Himmel immer noch blau und es gibt so starke Mistral Windböen, dass man kaum gerade laufen kann. Heute ist es komisch, zeitweise ist gar kein Wind und dann kommt plötzlich eine Wahnsinns Windböe und legt fast das Zelt flach Mein Frühstück und anschliessend das Mittagessen finden noch mal im Dorf Café statt. Als ich zurückkomme, stelle ich fest, dass durch den Mistral die im Zelt gelagerten Gegenstände alle mit einer Schicht Blütenstaub überzogen sind. Eine kleinere Putzaktion ist angesagt.
Am darauf folgenden Tag unternehme ich eine kleine Biketour zu den Caisses de Jean-Jean und zum Canal de la Vallée des Baux. Diese entpuppt sich als wahres Erlebnis. Ich geniesse die schöne Landschaft und die beeindruckenden Felsformationen. Ganz zufrieden kehre ich zurück und richte mein Zelt fertig ein. Endlich kann ich wieder kochen und essen im Zelt, an diesem Abend sogar das erste Mal ohne Heizung.

Gleich am Tag darauf nutze ich das gute Wetter und entscheide mich für eine Wanderung. Diese führt mich zu den Petit Calans et Gros Calans und beginnt schon im Dorf mit einem wunderschön Weg, gesäumt von blühenden Ginster- und Rosmarinsträuchern sowie violetten Strohblumen. Ich geniesse die betörenden Düfte, das Zwitschern der Vögel und die ruhige Atmosphäre auf diesem Weg durch die Felslandschaft. Es ist unglaublich schön hier. Der Weg verläuft anfangs auf einem ganz schmalen Pfad durch junge Buchssträucher und ich bin gespannt, was ich heute alles zu sehen bekomme. Linkerhand hat man durch die Büsche einen wunderbaren Blick auf die Felsformationen der Alpilles. An einem der Rosmarinsträucher hat es unglaublich viele Bienen, ihr Summen ist richtig laut. Am Schluss der Wanderung genehmige ich mir im Dorf Eygalières einen Diabolo Menthe. Da ich die letzten zwei Monate sehr wenig Süsses gegessen habe, kommt er mir unglaublich süss vor. Ich kann ihn kaum mehr trinken.

Wieder zurück im Camping gehe ich einkaufen und morgen will ich an den Marché in Saint Rémy, Ich brauche endlich wieder mal anständige Oliven, einen Lavendelhonig und Herbes de Provence Kräuter. Glücklicherweise habe ich am Abend durch den Hinweis eines Passanten gesehen, dass bei meinem Motorrad bei ausgeschalteter Zündung das Rücklicht immer noch gebrannt hat. Uii, wenn ich das nicht ausgeschaltet hätte, wäre ich wohl am nächsten Tag nicht mehr zum Markt gefahren.
Die Fahrt mit dem Motorrad durch die Alpilles ist ein Genuss, aber es ist noch sehr kühl am Morgen. Nach einem Café au lait im Café la Place schlendere ich durch den Marché und kaufe mir gleich 800 g von vier verschiedenen Oliven. Noch wittere ich nichts von den Herausforderungen, die gleich auf mich zukommen werden. Nach dem Mittagessen gehe ich noch in den Supermarkt, um ein paar Kleinigkeiten, die der Dorfladen nicht hatte, einzukaufen. Als ich rauskomme und an einem Maschendrahtzaun entlanglaufe, strauchle Ich über einen losen Draht von diesem Zaun, der am Boden aufs Trottoir eine schöne Schlaufe gebildet hat, knalle voll mit dem Kopf in den Zaun rein und liege am Boden. Ein netter Passant kontrolliert mich besorgt und meint, ich soll doch zu den Pompiers auf der anderen Strassenseite gehen und meine Kopfverletzung kontrollieren lassen. Diese entpuppt sich dann jedoch als reine Schürfung oben im Haarbereich und eine weitere Schürfung an der rechten Hand, welche sie desinfiziert und mich wieder geschickt haben. Auf dem Kopf wird es aber wohl trotzdem eine grosse Beule geben, so wie es sich anfühlt. Ich hatte bei dem Vorfall mein Handy in der Hand, um meinen Weg zurück zum Motorrad anzuschauen. Und als ich am Boden lag, hatte ich es immer noch in der Hand und dies mit voll gepacktem Rucksack mit einer Weinflasche und einem Glas Honig drin. Wer mich näher kennt, wird sich wohl denken, bei der beachtlichen Anzahl von Unfällen, die der schon hatte, war längst wieder mal ein Ereignis fällig.
Doch davon nicht genug, als ich zurück beim Motorrad bin, sehe ich, dass das Rücklicht schon wieder gebrannt hat, während ich weg war. Ich werde das wohl jetzt regelmässig kontrollieren müssen, wenn ich nach dem Parken vom Motorrad weglaufe. Dazu hat netterweise auch noch ein Vogel auf mein Helm Visier geschissen.
Zurück im Camping stelle ich fest, dass einer dieser Fiberstäbe für das Regendach vom Zelt beim Sturm gebrochen ist. Es hat zwar einen Reservestab in der Zeltverpackung, aber ich weiss nicht, wie man den auswechselt, weil man die elastische Schnur rausnehmen muss. Also flicke ich es kurzerhand mit Mc Guyver Isolierband und schaue mal weiter.
Die folgenden Tage hält das gute Wetter an. Spontan unternehme ich eine Biketour zu den Rochers de la Pène, was sich als Spielplatz für junggebliebene Rentner entpuppt. Es ist eine coole Felslandschaft mit Traum Pfaden für Mountainbiker und alles fahrbar. Ich staune selber, es ist wirklich der Hammer. Man hat eine super Weitsicht oben auf diesen Felsen. Der Pfad schlängelt sich abenteuerlich durch die Felsgebilde, wirklich unglaublich schön. Ich kann mich kaum mehr zurückhalten vor Begeisterung und geniesse die Fahrt enorm. Danach geht es noch auf von blühenden Thymianstauden gesäumten Pfaden nach Fontvieille und wieder zurück nach Moussane. Der Campingplatz ist sehr gut gelegen und meine Unternehmungen sind alle in nächster Nähe.

Heute will ich ein bisschen wandern im Val d’Enfer bei Les Baux. Den vorbereiteten Rucksack, um die Motorradkleider einzupacken, vergesse ich natürlich prompt im Zelt. Naja, man kann die Kleider ja auch tragen, schliesslich hat man zwei Hände. Wie schon bei beiden Clans sind auch diese Wege heute bei Les Baux sehr gut fürs Mountainbike geeignet, etwa wie auf dem Luberon. Aber beim Wandern kann man halt die herrliche Landschaft besser geniessen. Wunderschöne Pflanzen blühen überall, Ginster und Rosmarin und junge Buchssträucher, einfach schön. Gerade bin ich bei einem coolen, von mehreren Löchern durchsiebten Felsen mit einer fantastischen Aussicht auf das Dorf Les Baux. Irgendwie sieht der Felsen mit seinen Löchern aus wie ein Totenschädel. Man kann darauf herumklettern und aus den Löchern heraus wunderschöne Fotos machen. Am Schluss der Wanderung geht es noch zu einem Labyrinth von speziellen Felsen, durch die ein abenteuerlicher Pfad führt, der wirklich sehr spannend zum Entdecken ist.

Meine nächste Wanderung geht zu Les Balcons des Grands Calans. Zuerst geht es friedlich am Canal des Baux entlang, aber schon bald wird es abenteuerlich. Der Weg, den ich nehme, geht steil die Felsen hinauf und ist kaum zu erkennen. Ich würde mich verlaufen, wenn ich mein Handy nicht hätte. Der Pfad verläuft wirklich schwindelerregend neben einer Schlucht und ich klettere auf allen Vieren hinauf. Oben angekommen belohnen aber schön blühende Vegetation und eine fantastische Rundsicht die Mühen des Aufstiegs. Nach einer wohlverdienten Pause geht es weiter auf einem traumhaften Gebirgspfad, der mich sehr beeindruckt und mir ein spezielles Gefühl der Verbundenheit mit der Natur vermittelt. Schlussendlich geht es wieder zum Kanal hinunter und rund um die Caisses de Jean-Jean zurück zum Ausgangsort, wo mein Motorrad auf mich wartet Am Ziel bin ich doch etwas müde, aber ich hab’s gut geschafft. Den Apero im Camping habe ich mir auf jeden Fall verdient.

Auch eine Biketour in die Berglandschaft der Alpilles darf hier keinesfalls fehlen. Leider stelle ich dabei wieder einmal fest, dass gewisse Biker Touren veröffentlichen, die auf Privatgelände verlaufen und ich muss mir alternative Pfade suchen. Dem Handy sei Dank ist dies mit etwas Intuition gut möglich. Auf den felsigen Pfaden werde ich teilweise ziemlich gefordert, aber ich geniesse es sehr, mich hier austoben zu dürfen.
Nach einer weiteren schönen Biketour in der Nähe von Saint Rémy packe ich am Tag darauf mein Campingmaterial fürs Weiterziehen zusammen und gehe noch mal gemütlich auswärts essen.

Morgen kommt eine spezielle Phase meiner Auszeit auf mich zu. Ich werde meine Frau und meine Tochter mit zwei Enkelkindern für vier Tage treffen. Ich bin gespannt, was die Kleinen mir so alles erzählen werden. Ich habe sie während meinen zehn Wochen Auszeit wirklich sehr vermisst.
Was danach passiert, verrate ich später in einem weiteren Blogeintrag.
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