Ich habe festgestellt, dass in dieser Jahreszeit an der Côte d‘Azur nicht nur Sonnenschein und Amour die Szene beherrschen. Auch hier kann es deftig regnen und sobald die Sonne weg ist am Abend, wird es auch schnell wieder kühl. Dann haben die Meteorologen gar Windböen bis zu 80 km/h angekündigt. Ich kratze mich am Kopf und überlege kurz. Also wenn mein Air Kuppelzelt bis 60 km/h getestet wurde, was passiert wohl danach? Wird mein Zelt übers Meer nach Algerien fliegen? Der Tag kommt und die heimtückischen Windböen schütteln mein Zelt durch, dass einem Angst und Bange werden könnte. Während dessen bereite ich im Zelt beherzt mein Nachtessen zu. Eine Seitenwand wird wie von unsichtbarer Hand gestossen nach innen gewölbt und verschiebt kurzerhand meine Kapsel Kaffeemaschine auf meiner mobilen Küchenablage 🙄. Eine weitere Windböe schmeisst mein Weinglas auf dem Camping Tisch um. Ich denke, es ist gut, wenn ich mich bald in mein Dachzelt verkrieche, denn dieses verträgt so einiges.
Glücklicherweise kommen auch wieder andere Tage, an denen die Sonne scheint und mir die Seele wärmt.
An einem dieser Tage erlebe ich eine der schönsten Wanderungen an dieser Küste überhaupt. Ich parkiere mein Motorrad an der Küste zwischen Antheor und Le Trayas und verwandle mich mit meinen mitgebrachten Klamotten in einen Wanderer. Da es am Morgen früh meistens kalt ist, bin ich häufig mit 3, 4 oder sogar 5 Kleiderschichten gepolstert. Tja, und diese Schichten müssen dann irgendwie in meinem relativ grossen Rucksack verschwinden, wenn ich angenehm wandern will. Meine Motorrad Stiefel lasse ich einfach unter dem Motorrad stehen und auch den Helm lasse ich dort. Beides ist alt und wird wohl kaum geklaut werden.

Ich laufe los, durch die Pinien auf dem roten, steinigen Weg. Während der ganzen Wanderung habe ich ein fantastisches Panorama aufs Meer und der Rundblick auf dem Gipfel des Pic du Cap Roux ist kaum mehr zu toppen. Dort oben sein Picknick zu geniessen und den Blick über das blaue, glitzernde Mittelmeer schweifen zu lassen, ist ein umwerfendes Erlebnis. Vergessen sind die kalten Morgenstunden, einfach nur Sonne tanken und nichts weiter denken.

Eine nicht minder schöne Wanderung ist der Rundweg um die Dramont Halbinsel. Auch hierhin fahre ich an einem anderen sonnigen Tag mit dem Motorrad. Zum Teil handtuchbreite Pfade, wie auch bei der letzten Wanderung, führen durch die Pinien um die ganze Halbinsel und eröffnen ein fantastisches Panorama aufs Meer. Kurz vor Ende bietet die Ile d‘Or, welche in Privatbesitz ist, einen wunderschönen Anblick. Hier kommt man nicht vorbei, ohne Fotos zu schiessen.

Bei diesen beiden Wanderungen bieten auf der einen Seite das stahlblaue Wasser der Côte d‘Azur, und auf der anderen Seite der blaue Himmel, einen unglaublichen Kontrast zu den hellgrünen Pinien und den rötlichen Felsbuchten und imposanten Gipfeln. Die gelben Ginsterbüsche und die weisse Baumheide verwandeln das Ganze in eine wahre Traumlandschaft. 
Ein weiteres tolles Erlebnis habe ich, in dem ich den Mut fasse und mit meinem aufblasbaren Kanu eine Fahrt mache in der Bucht vom Plage de la Gaillard. Eigentlich wollte ich dies mit meinem Neoprenanzug machen, habe dann aber festgestellt, dass ich den meiner Frau mitgenommen habe. Na, und die ist einen Kopf kleiner als ich. Alles klar, also kein Neoprenanzug, dann halt eine kurze Hose, einen Pullover und Gummi Crocs 😃. Ein Mann am Strand sagt mir noch, ich solle auf die Felsen aufpassen auf beiden Seiten der Bucht. Ich bin ja schon blauäugig, aber diesen Rat nehme ich mir dann schon zu Herzen und fahre nur in der Mitte der Bucht. Zum Glück muss ich bei den 13° Wassertemperatur nicht schwimmen 😜.

Unternehmungen wie diese entschädigen mich für viele Entbehrungen, welchen ich als Camper mit einem Dachzelt in dieser eher kühlen Jahreszeit ausgesetzt bin. Es ist niemand da, mit dem ich meine Eindrücke teilen kann. Wenn meine Auszeit mich psychisch herausgefordert, muss ich alleine damit klarkommen. Natürlich habe ich eine gewisse Freiheit, zu tun, was ich gerne möchte. Aber sogar ein Höhlenmensch wie ich stellt bald einmal fest, dass er seine Lieben zu Hause sehr vermisst.
Am Abend habe ich wieder ein längeres Gespräch mit dem Campingbesitzer Pascal. Er gibt mir ein paar Tipps und erzählt, dass er sich nicht erinnern kann, wettermässig schon mal so einen schlechten Februar erlebt zu haben. Normalerweise sei es immer schön oder es regnet mal, aber nicht immer nur so wechselhaft. Tja, davon kann ich mir jetzt nichts kaufen. Er erzählt mir auch, dass er schon viel alleine gereist ist, auch als Segler und die Einsamkeit sei vor allem auch spirituell interessant, weil man viel Zeit zum überlegen hätte. Ich sage ihm dann, dass dies einer der Gründe für meine Auszeit sei.
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